Stoff LB2 – Theorieprüfung
Prüfungsformat
| Dauer | 45 Minuten |
| Hilfsmittel | keine |
| Gesamtpunkte | 40 Punkte |
| Fragentypen | Multiple Choice (je 1 Pt) + offene Fragen (je 2–4 Pt) |
| Zeitpunkt | Woche 16 |
Die Prüfung deckt alle IPERKA-Phasen sowie die verwendeten Methoden und Tools ab. Die Lernziele zeigen, was verstanden und erklärt werden können muss.
Themen und Lernziele
Projektauftrag
Lernziel: Du kannst erklären, was ein Projektauftrag ist, wozu er dient und was er enthalten muss.
Ein Projektauftrag ist ein formelles Dokument, das ein Projekt offiziell startet und autorisiert. Er dient dazu, die Projektziele, den Umfang, die wichtigsten Stakeholder und die zugewiesenen Ressourcen klar festzuhalten.
Wozu dient er? - Autorisierung: Erteilt die offizielle Erlaubnis, das Projekt zu starten. - Klarheit: Stellt sicher, dass alle Beteiligten ein einheitliches Verständnis der Projektziele haben. - Verbindlichkeit: Legt Verantwortlichkeiten fest und dient als Referenzdokument während des gesamten Projektverlaufs.
Beispielfragen: 1. Nenne zwei Gründe, warum ein Projektauftrag vor dem Start der Umsetzung genehmigt werden muss. (2 Pt) 2. Was passiert, wenn ein Projekt ohne Projektauftrag gestartet wird? Nenne ein konkretes Risiko. (2 Pt) 3. Welche vier Angaben gehören zwingend in einen Projektauftrag? (2 Pt)
Gute Quellen erkennen
Lernziel: Du kannst eine Quelle anhand von 6 Kriterien beurteilen und begründen, ob sie für ein Projekt geeignet ist.
Um gute Quellen zu erkennen, gelten folgende Kriterien: - Autorität: Wer hat die Information erstellt? Ist die Person oder Organisation ein Experte? - Aktualität: Wann wurde die Information veröffentlicht oder zuletzt aktualisiert? - Objektivität: Ist die Quelle neutral oder vertritt sie eine bestimmte Meinung? - Genauigkeit: Sind die Fakten überprüfbar? Gibt es Verweise auf andere Quellen? - Zielgruppe: Für wen wurde die Information erstellt? - Bewertungen/Rezensionen: Nicht nur die Anzahl – das Verhältnis aus Reichweite und positiven Bewertungen ist entscheidend.
Beispielfragen: 1. Du findest einen Wikipedia-Artikel zu deinem Thema. Beurteil ihn anhand von 3 der 6 Kriterien. (3 Pt) 2. Was ist der Unterschied zwischen Autorität und Objektivität bei der Quellenbeurteilung? (2 Pt) 3. Multiple Choice: Welches Kriterium beschreibt, ob eine Quelle noch zeitgemäss ist? - a) Autorität b) Aktualität c) Zielgruppe d) Genauigkeit (1 Pt)
Kanban-Boards
Lernziel: Du kannst den Aufbau und die Vorteile eines Kanban-Boards erklären und weisst, wann es sinnvoll eingesetzt wird.
Ein Kanban-Board ist ein visuelles Werkzeug für das Management von Aufgaben im agilen Projektmanagement. Aufgaben werden als Karten dargestellt und von links nach rechts durch Spalten (z. B. „Offen", „In Arbeit", „Erledigt") bewegt.
Vorteile: - Visualisierung: Fortschritt und Engpässe sofort sichtbar - Struktur: Klare Phasen und Arbeitsabläufe - Flexibilität: Einfache Priorisierung und Umorganisation - Fokus: Überlastung vermeiden
Beispielfragen: 1. Erkläre, was eine Spalte in einem Kanban-Board bedeutet. (1 Pt) 2. Ein Task liegt seit zwei Wochen in der Spalte „In Arbeit". Was könnte das bedeuten, und was würdest du tun? (3 Pt) 3. Multiple Choice: Was ist KEIN typisches Merkmal eines Kanban-Boards? - a) Spalten für Arbeitsstadien b) Karten für Tasks c) Feste Sprints mit Deadlines d) Visuelle Übersicht (1 Pt)
GANTT-Diagramm
Lernziel: Du kannst erklären, wie ein GANTT-Diagramm aufgebaut ist, welche Informationen es zeigt und wozu der kritische Pfad dient.
Ein GANTT-Diagramm ist ein Balkendiagramm zur Darstellung der zeitlichen Abfolge von Aufgaben in einem Projekt. Es zeigt Aufgaben, deren Dauer, Abhängigkeiten und den Projektfortschritt.
Vorteile: - Übersichtlichkeit: Klare visuelle Darstellung des Zeitplans - Planung: Identifizierung kritischer Pfade und Ressourcenplanung - Kontrolle: Soll-Ist-Vergleich jederzeit möglich
Beispielfragen: 1. Was versteht man unter dem „kritischen Pfad" in einem GANTT-Diagramm? (2 Pt) 2. Nenne zwei Informationen, die ein GANTT-Diagramm enthält, die ein einfaches Kanban-Board nicht zeigt. (2 Pt) 3. Multiple Choice: Was zeigt eine Abhängigkeit im GANTT-Diagramm? - a) Wer für einen Task zuständig ist b) Dass ein Task erst beginnen kann, wenn ein anderer abgeschlossen ist c) Wie lange ein Task dauert d) Welche Ressourcen benötigt werden (1 Pt)
Nutzwertanalyse
Lernziel: Du kannst erklären, wie eine Nutzwertanalyse funktioniert, und den Unterschied zwischen gefühlter und gewichteter Bewertung beschreiben.
Die Nutzwertanalyse bewertet Alternativen systematisch anhand gewichteter Kriterien. Die Summe der gewichteten Bewertungen ergibt den Nutzwert jeder Alternative.
Anwendung: - Auswahl von Software, Lieferanten, Projektideen - Berücksichtigung qualitativer und quantitativer Faktoren
Beispielfragen: 1. Erkläre den Unterschied zwischen einer Nutzwertanalyse mit gefühlten Kriterien und einer mit Kriterien aus der Präferenzmatrix. (3 Pt) 2. Warum kann es sinnvoll sein, beide Versionen zu erstellen und zu vergleichen? (2 Pt) 3. Du führst eine Nutzwertanalyse durch und zwei Alternativen haben fast den gleichen Nutzwert. Was bedeutet das für deine Entscheidung? (2 Pt)
Präferenzmatrix
Lernziel: Du kannst erklären, wie eine Präferenzmatrix funktioniert und wozu sie in Kombination mit der Nutzwertanalyse eingesetzt wird.
Eine Präferenzmatrix vergleicht Kriterien paarweise miteinander. Durch diesen Vergleich wird eine messbare Gewichtung der Kriterien ermittelt.
Anwendung: - Priorisierung von Kriterien oder Anforderungen - Subjektive Einschätzungen objektivierbar machen
Beispielfragen: 1. Erkläre in 2–3 Sätzen, wie eine Präferenzmatrix ausgefüllt wird. (2 Pt) 2. Du hast 4 Kriterien. Wie viele Vergleiche gibt es in der Präferenzmatrix? (1 Pt) 3. Welchen Vorteil hat die Präferenzmatrix gegenüber einer einfachen Schätzung der Gewichtung? (2 Pt)
SWOT-Analyse
Lernziel: Du kannst die vier Felder der SWOT-Analyse erklären, interne von externen Faktoren unterscheiden und Erkenntnisse ableiten.
Die SWOT-Analyse identifiziert Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken eines Projekts oder einer Situation: - Interne Faktoren: Stärken (was läuft gut?) und Schwächen (was muss verbessert werden?) - Externe Faktoren: Chancen (welche äusseren Entwicklungen können genutzt werden?) und Risiken (was könnte gefährden?)
Beispielfragen: 1. Erkläre den Unterschied zwischen internen und externen Faktoren in der SWOT-Analyse. (2 Pt) 2. Nenne je ein Beispiel für eine Stärke und ein Risiko eines Schulprojekts. (2 Pt) 3. Multiple Choice: Was ist ein externes Risiko? - a) Mangelndes Fachwissen im Team b) Schlechte Kommunikation c) Neue Konkurrenz auf dem Markt d) Fehlende Dokumentation (1 Pt)
Fishbone-Analyse
Lernziel: Du kannst erklären, wie eine Fishbone-Analyse aufgebaut ist und die 6M-Kategorien benennen und erklären.
Die Fishbone-Analyse (Ishikawa-Diagramm, 6M-Methode) ist ein Ursache-Wirkungs-Diagramm. Das Problem steht am „Kopf", die Ursachenkategorien bilden die „Gräten".
6M-Kategorien: - Mensch: Fehler, mangelnde Qualifikation, Motivation - Methode: Fehlerhafte Prozesse, unklare Anweisungen - Maschine: Defekte Geräte, falsche Einstellungen - Material: Schlechte Qualität, falsches Material - Messung: Ungenaue Messungen, falsche Daten - Milieu: Externe Faktoren wie Temperatur, Lärm, Licht
Beispielfragen: 1. Zeichne schematisch den Aufbau einer Fishbone-Analyse und beschrifte die Hauptelemente. (3 Pt) 2. Ein Projekt liefert schlechte Ergebnisse. Ordne folgende Ursachen den 6M-Kategorien zu: fehlende Erfahrung / veraltete Software / unklarer Auftrag / zu wenig Zeit. (2 Pt) 3. Was ist das Ziel der Fishbone-Analyse im Vergleich zur einfachen Problemlösung? (2 Pt)
5-W-Problemlösungsanalyse
Lernziel: Du kannst die 5-W-Methode anwenden und erklären, warum sie zur Wurzelursache führt.
Die 5-W-Analyse (5 Whys) stellt wiederholt die Frage „Warum?", um von einem Symptom zur eigentlichen Ursache zu gelangen.
Beispiel: - Problem: Die Abgabe ist zu spät. - Warum? Weil die Dokumentation nicht fertig war. - Warum? Weil zu wenig Zeit eingeplant wurde. - Warum? Weil kein GANTT-Diagramm erstellt wurde. - Warum? Weil die Planung übersprungen wurde. - Wurzelursache: Fehlende Planung.
Beispielfragen: 1. Führe eine vollständige 5-W-Analyse für folgendes Problem durch: „Das Projekt wurde nicht rechtzeitig abgeschlossen." (4 Pt) 2. Was ist der Unterschied zwischen einem Symptom und einer Wurzelursache? (2 Pt) 3. Warum ist es wichtig, mindestens 4–5 Mal „Warum?" zu fragen? (1 Pt)
Formularelemente
Lernziel: Du kannst die wichtigsten Formularelemente benennen, ihren Einsatzzweck erklären und weisst, in welchen Situationen welches Element sinnvoll ist.
Formularelemente kommen in verschiedenen Kontexten vor: in PDF-Formularen, in Webformularen oder in Anwendungen. Die Grundelemente und ihre Funktionen sind überall gleich.
| Element | Einsatzzweck |
|---|---|
| Textfeld | Freitext: Namen, Zahlen, Datumsangaben |
| Kontrollkästchen (Checkbox) | Mehrfachauswahl oder Ja/Nein-Entscheidungen |
| Optionsfeld (Radio Button) | Exklusive Auswahl – nur eine Antwort möglich |
| Dropdown-Liste | Auswahl aus vordefinierten Optionen |
| Schaltfläche (Button) | Aktion auslösen: Absenden, Speichern, Zurücksetzen |
| Unterschriftsfeld | Elektronische Signatur |
Beispielfragen:
-
Welches Formularelement ist am besten geeignet, um Punkte in einer Checkliste als „erledigt" zu markieren? Begründe. (2 Pt)
-
Was ist der Unterschied zwischen einem Kontrollkästchen und einem Optionsfeld? Nenne je ein Beispiel. (2 Pt)
-
Multiple Choice: Welches Element ermöglicht es, nur eine Option aus mehreren auszuwählen? (1 Pt)
- a) Textfeld
- b) Checkbox
- c) Radio Button
- d) Dropdown
Vertragsformen
Lernziel: Du kannst Werkvertrag und Auftrag voneinander unterscheiden, weisst wann ein Arbeitsverhältnis faktisch entsteht und erkennst, dass das Abrechnungsmodell die Vertragsart nicht bestimmt.
Im Schweizer Obligationenrecht (OR) sind zwei Vertragsformen für die Projektarbeit zentral:
- Auftrag (Art. 394 OR): Eine Tätigkeit wird geschuldet, kein garantiertes Ergebnis. Der Auftraggeber kann jederzeit kündigen (Art. 404 OR). Typisch: Rechtsberatung, Coaching, laufende Reinigung.
- Werkvertrag (Art. 363 OR): Ein konkretes Ergebnis (Werk) wird geschuldet. Mängel können gerügt werden (Gewährleistung). Kündigung vor Vollendung verpflichtet zur Entschädigung (Art. 377 OR). Typisch: App-Entwicklung, Logo-Design, Kücheneinbau.
Wichtige Grundsätze:
- Substanz schlägt Bezeichnung – Ein Vertrag wird nach seinem tatsächlichen Inhalt beurteilt, nicht nach seiner Bezeichnung.
- Abrechnungsmodell ≠ Vertragsart – Aufwandbasierte Fakturierung macht aus einem Werkvertrag keinen Auftrag. Die Gewährleistungspflicht bleibt bestehen.
- Gleiche Tätigkeit, verschiedene Formen – Ob etwas Werkvertrag oder Auftrag ist, hängt von der Formulierung des Vertragsziels ab (z. B. laufende Reinigung = Auftrag, einmalige Fensterreinigung mit definiertem Ergebnis = Werkvertrag).
- Faktisches Arbeitsverhältnis (Art. 319 OR) – Ein Arbeitsvertrag entsteht ohne Unterschrift, sobald jemand weisungsgebunden, regelmässig und gegen Entgelt arbeitet. Eine Rechnung schützt nicht vor Scheinselbstständigkeit.
Beispielfragen:
- Ein Grafiker gestaltet ein Logo für 800 CHF. Um welche Vertragsform handelt es sich? Begründe in 2 Sätzen. (2 Pt)
- Was ist der Unterschied zwischen Auftrag und Werkvertrag bezüglich Kündigung und Konsequenzen? (3 Pt)
- Ein Entwickler fakturiert seine Arbeit an einer Website monatlich nach Aufwand. Handelt es sich deshalb um einen Auftrag? Begründe. (2 Pt)
- Multiple Choice: Was ist typisch für einen Werkvertrag?
- a) Der Auftraggeber kann jederzeit kündigen ohne Konsequenzen
- b) Eine Tätigkeit wird geschuldet, kein Ergebnis
- c) Mängel am Ergebnis können gerügt werden
- d) Der Auftragnehmer trägt kein Risiko (1 Pt)
- Eine Webentwicklerin arbeitet seit 6 Monaten täglich im Büro einer Firma, nutzt deren Geräte und stellt monatlich Rechnung. Liegt ein Auftrag oder ein Arbeitsverhältnis vor? Begründe anhand von 3 Merkmalen. (3 Pt)
Retrospektive
Lernziel: Du kannst erklären, was eine Retrospektive ist, wann sie stattfindet und wie sie in 5 Schritten durchgeführt wird.
Eine Retrospektive ist ein regelmässiges Treffen, bei dem ein Team den vergangenen Arbeitsabschnitt reflektiert und Verbesserungen ableitet.
5-Schritte-Ablauf: 1. Set the Stage: Begrüssung, Ziel und Agenda klären, offene Atmosphäre schaffen 2. Gather Data: Fakten sammeln – was lief gut, was nicht? 3. Generate Insights: Warum ist es so gelaufen? Muster und Ursachen erkennen 4. Decide What to Do: Konkrete Massnahmen festlegen und priorisieren 5. Close the Retrospective: Zusammenfassen, Massnahmen festhalten, abschliessen
Beispielfragen: 1. Nenne die 5 Schritte einer Retrospektive in der richtigen Reihenfolge. (3 Pt) 2. Was ist der Unterschied zwischen Schritt 2 „Gather Data" und Schritt 3 „Generate Insights"? (2 Pt) 3. Eine Gruppe führt eine Retrospektive durch und listet viele Probleme auf, leitet aber keine Massnahmen ab. Welcher Schritt fehlt, und was wäre das Ergebnis davon? (2 Pt)