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Kontrollieren (IPERKA)

1. Wozu dient die Kontrollphase?

Die Kontrollphase stellt sicher, dass das Projektergebnis den vereinbarten Anforderungen entspricht, bevor es offiziell abgenommen wird. Sie schützt beide Seiten: Den Auftragnehmer vor ungerechtfertigten Nachforderungen und den Auftraggeber vor einem unvollständigen oder mangelhaften Ergebnis.

Die Kontrolle ist keine Kritik am Team. Sie ist ein professioneller Qualitätssicherungsschritt, der zum Projektabschluss gehört wie die Unterschrift unter einen Vertrag.


2. Checklisten

Eine Checkliste ist das einfachste und wirkungsvollste Kontrollinstrument. Sie hält fest, was geprüft werden muss, und macht den Prüfprozess nachvollziehbar und wiederholbar.

Aufbau einer guten Checkliste

Eine Checkliste braucht einen klaren Titel mit Projektname, Datum und Version. Die Prüfpunkte werden nach Themen gegliedert (z. B. Funktionalität, Design, Dokumentation), damit die Übersicht erhalten bleibt. Jeder Punkt muss so formuliert sein, dass er eindeutig mit Ja oder Nein beantwortet werden kann. Am Ende gehört ein Unterschriftsfeld für Auftragnehmer und Auftraggeber dazu.

Arten von Checklisten im Projektkontext

Typ Zweck
Abnahmecheckliste Prüft ob alle vereinbarten Lieferpunkte erfüllt sind
Qualitätscheckliste Prüft Fehlerfreiheit, Vollständigkeit, Normen
Sicherheitscheckliste Prüft Risiken und Schutzmassnahmen
Prozesscheckliste Prüft ob alle Schritte durchgeführt wurden

Formate für Checklisten

Je nach Einsatzzweck eignen sich verschiedene Formate:

Word oder Google Docs sind einfach zu erstellen und gut für interne Nutzung geeignet.

Ausfüllbare PDFs eignen sich für formelle Abnahmen mit Unterschrift und lassen sich digital archivieren.

HTML-Formulare sind modern und browserbasiert. Sie können direkt online ausgefüllt und abgesendet werden. Besonders nützlich sind sie, wenn mehrere Personen gleichzeitig Zugriff brauchen oder Antworten automatisch gespeichert werden sollen.

Excel oder Google Sheets sind sinnvoll, wenn die Checkliste Berechnungen oder statistische Auswertungen enthalten soll.


3. Abnahmeprotokoll

Das Abnahmeprotokoll ist ein formelles Dokument, das den Abschluss eines Projekts oder einer Lieferung rechtlich und organisatorisch festhält. Es geht über eine Checkliste hinaus und gilt als verbindliches Übergabedokument.

Was gehört in ein Abnahmeprotokoll?

Element Beschreibung
Projektname, Auftragsnummer Eindeutige Identifikation
Datum der Abnahme Wann wurde geprüft?
Auftragnehmer Name, Firma
Auftraggeber Name, Firma
Beschreibung des Liefergegenstands Was wurde übergeben?
Prüfpunkte mit Ergebnis Bestanden, nicht bestanden oder offen
Festgestellte Mängel Mit Frist zur Behebung
Entscheid Abgenommen, bedingt abgenommen oder abgelehnt
Unterschrift beider Parteien Rechtliche Verbindlichkeit

Warum ist die Unterschrift des Kunden so wichtig?

Die Unterschrift des Auftraggebers hat rechtliche Konsequenzen. Sie bestätigt, dass das Werk geprüft und als weitgehend korrekt befunden wurde. Nach erfolgter Abnahme verjähren Mängelrechte erst nach zwei Jahren (Art. 371 OR beim Werkvertrag). Ohne Abnahme bleibt unklar, ob das Werk akzeptiert wurde, was Streitpotenzial schafft. In der Regel löst die Abnahme auch die Schlusszahlung aus.

Kein Projekt ist offiziell abgeschlossen, solange keine schriftliche Abnahme vorliegt.


4. Soll-Ist-Vergleich

Beim Soll-Ist-Vergleich wird gegenübergestellt, was ursprünglich geplant wurde und was tatsächlich erreicht worden ist.

Dimension Soll Ist Abweichung
Termin Woche 12 Woche 13 +1 Woche
Aufwand 40h 52h +12h
Funktionen 8 Features 7 Features 1 Feature weniger
Qualität Alle Tests bestanden 1 Test offen Offen

Abweichungen sind normal. Entscheidend ist, dass sie erkannt, dokumentiert und begründet werden.


5. Wer ist an der Kontrolle beteiligt?

Der Auftragnehmer erstellt die Checkliste und führt die interne Qualitätsprüfung durch. Der Auftraggeber nimmt das Werk ab und unterzeichnet das Abnahmeprotokoll. Bei grossen Projekten können auch Dritte beteiligt sein, etwa externe Prüfer, Fachspezialisten oder Behörden.